Extrait de Ja
de Thomas Bernhard.



Der Schweizer und seine Lebensgefährtin waren gerade bei dem Realitätenvermittler Moritz aufgetreten, als ich diesem zum erstenmal die Symptome meiner Gefühls- und Geisteserkrankung nicht nur anzudeuten und schließlich als eine Wissenschaft klarzumachen versuchte, sondern dem Moritz, dem mir zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich tatsächlich am nächsten stehenden Menschen urplötzlich auf die rücksichtsloseste Weise die nicht nur angekränkelte, sondern schon zur Gänze von Krankheit verunstaltete Innenseite meiner ihm bis dahin ja nur von der ihn nicht weiter irritierenden und also in keiner Weise beunruhigend berührenden Oberfläche her bekannten Existenz nach außen zu stülpen ins moritzsche Haus gekommen war und ihn allein durch die unvermittelte Brutalität meines Experiments erschrecken und entsetzen mußte, dadurch, daß ich an diesem Nachmittag von einem Augenblick auf den anderen vollkommen ab- und aufdeckte, was ich das ganze Jahrzehnt meiner Bekanntschaft und Freundschaft mit dem Moritz vor ihm verborgen, ja schließlich nach und nach die ganze Zeit vor ihm mit mathematischer Spitzfindigkeit verheimlicht und unaufhörlich und unerbittlich gegen mich selbst vor ihm zugedeckt hatte, um ihm, dem Moritz, nicht den kleinsten Einblick in meine Existenz zu verschaff en, war er zutiefst entsetzt gewesen, aber ich hatte mich durch dieses sein Entsetzen in meinem an diesem Nachmittag nun einmal vehement und naturgemäß auch wetterbedingt in Gang gekommenen Enthüllungsmechanismus nicht im geringsten behindern lassen, nach und nach hatte ich an diesem Nachmittag, als ob ich Oberhaupt keine andere Wahl gehabt hätte, vor dem von mir an diesem Nachmittag völlig überraschend aus meinem Gelsteshinterhalt überfallenen Moritz, alles mich Betreffende abgedeckt, alles abgedeckt was abzudekken gewesen war, alles aufgedeckt, was aufzudekken gewesen war; während des ganzen Vorfalls hatte ich, wie immer, auf dem den beiden Fenstern gegenüberliegenden Eckplatz neben der Eingangstür in das moritzsche Bürozimmer, in dem von mir so genannten Leitzordnerzimmer, Platz genommen gehabt, während der Moritz selbst, es war ja schon Ende Oktober, mir in seinem mausgrauen Winterüberzieher gegenübergesessen war, möglicherweise zu diesem Zeitpunkt schon in betrunkenem Zustande, genau habe ich das in der bereits eingetretenen Finsternis gar nicht feststellen können; ich hatte ihn die ganze Zeit nicht aus den Augen gelassen, es war, als hätte ich mich an diesem Nachmittag, nachdem ich wochenlang nicht mehr im moritzschen Hause und Oberhaupt wochenlang nurmehr noch mit mir allein und das heißt, auf meinen eigenen Kopf und auf meinen eigenen Körper angewiesen eine viel längere, als noch nicht nervenzerstörende Zeit in der höchsten Konzentration alles betreffend gewesen war, zu allem, was mir Rettung bedeutet hatte, entschlossen, endlich aus meinem feuchten und kalten und finsteren Hause heraus durch den dichten und dumpfen Wald auf den Moritz wie auf ein lebensrettendes Opfer gestürzt, um ihn, das hatte ich mir auf dem Weg zum moritzschen Hause vorgenommen gehabt, solange mit meinen Enthüllungen und also tatsächlich unstatthaften Verletzungen nicht mehr auszulassen, bis ich einen erträglichen Grad von Erleichterung erreicht und also soviel von meiner jahrelang vor ihm zugedeckten Existenz ab- und aufgedeckt habe, als nur möglich.

Le même extrait en Français.